Newletter Frühlingsausgabe 2016

EDITORIAL

Europäische Werte

Die derzeit geführten Wertediskussionen sind nach außen gerichtet. Was heute als Wert verstanden wird, trägt doch vielfach eine Maske, hinter der sich Egozentriertheit, Eigennutz, ungebremste Selbstverwirklichung oder auch Respektlosigkeit verbergen. Eine Neujustierung ist angebracht, ein moralischer Kompass, der uns dorthin führt, wo Moral, Barmherzigkeit und Mitgefühl wahre Werte sind und wo wir mit offenem Herzen Hilfe für uns und andere finden.

Überall spricht man von Werten, europäischen Werten. Und die zunehmende Zuwanderung an Muslimen scheint unsere Wertegesellschaft zu bedrohen. Die Werte des Islam mögen diskutiert werden, aber es ist nicht nur die Scharia, die uns scheinbar bedroht.

 

Nun, was hat es mit diesen Werten denn auf sich? Jahrhundertelang war Qualitätsarbeit für Handwerker eine Selbstverständlichkeit, ja sogar eine Ehre. Übrigens galt das nicht nur für Handwerker, sondern für jeden Berufsstand. Wohlstand war weithin erstrebenswert, wenn auch für die meisten nicht erreichbar. Trotzdem gab es etwas wie einen inneren Code der Berufsehre, der Herstellungsqualität, der Handschlagqualität. Ein Ehrenwort blieb ein Ehrenwort. Es war selbstverständlich, dass das, was auf der Verpackung steht, auch drin ist. Auch ohne ISO-Zertifikate oder was auch immer für Validierungen, Überprüfungsprotokollen, Qualitätsauflagen es heute geben mag. Und es scheint, je mehr solcher Qualitätssicherungen auftauchen, desto mehr brauchen wir sie auch wegen des Werteverlustes.

 

Es ist den meisten Menschen heute in Vergessenheit geraten, dass die christliche Morallehre die Wissenschaft begründet hat. Die christliche Sicht der Barmherzigkeit, des Mitgefühls – auch für Fremde – hat unser modernes Spitalswesen und die vielen christlichen Sozialvereine und Betriebe ins Leben gerufen. Die persönliche Verantwortung vor einem Schöpfer ließ in allen Bereichen Qualität entstehen, auch ohne bürokratische Aufpasser oder überbordende behördliche Auflagen. Christlich orientierte Menschen prägten unsere Kultur und sahen sich in einer selbstverständlich gelebten Verantwortung vor Gott. Aber das war einmal. Heute ist dieser Gott an allen Schulen und Universitäten abgeschafft. Unsere Politik richtet sich nach dem „Kein-Gott-Prinzip". Es gibt außerhalb von uns selbst keine göttliche, moralische Instanz mehr.

 

Wir brauchen wieder einen moralischen Kompass

 Diese Sicht ist in der Bevölkerung angekommen. Eigennutz, radikale persönliche Freiheit, Entscheidungsfreiheit, sogar über das Leben von Ungeborenen, Alte am besten über den Rand, mein Leben vor dem Leben anderer, mein Vorteil über allem, ich will haben, ich will erleben, mir steht zu ... Wir haben es geschafft, dass sich alles um unseren Bauchnabel dreht – was für viele heute eine absolut sichere Orientierung bedeutet. Denn der frühere moralische Kompass, die Zehn Gebote, die Bergpredigt, werden heute lächerlich gemacht, ehrliches Wirtschaften als dumm betrachtet und wer christliche Moral leben möchte, wird als ewig gestrig, als fanatisch und fundamentalistisch radikal bezeichnet.

 

Nur haben sich bis heute die wirklichen Bedürfnisse der Menschen nicht geändert. Egal, wie wir versuchen, mit dem direkten Weg – in der Erfüllung all unserer Wünsche – glücklich zu werden, wir erleben dabei, dass dieser Weg eine Sackgasse ist. In anderen Worten: Dieses Konsumdenken, sich selbst alles Mögliche zu gönnen, birgt ein hohes Risiko und durch die Steigerung der Wunscherfüllungen auch ein hohes Suchtpotential in sich.

 

Geben ist ein Gebot der Stunde

 Wir können alles Mögliche haben oder erleben, aber wirkliches Glück erleben wir nur über den indirekten Weg. Geben Sie etwas von sich. Geben Sie Zeit, Zuneigung, Materielles, seien Sie freundlich, hilfsbereit, zeigen Sie persönliches Interesse ohne irgendeinen Hintergedanken oder Eigennutz. Dann erleben Sie eine ganz besondere Zufriedenheit, eine innere Ruhe, eine gelassene Fröhlichkeit, die die Menschen in den vergangen Jahrhunderten christlicher Kultur auch ohne großen Wohlstand als Glück beschrieben.

 

Diese neue Kultur der egoistischen Freiheit wird leider auch nicht vor der Medizin und Zahnmedizin haltmachen. Es wird die Betreuungsqualität der Sozialberufe betreffen. Schon heute verlieren diese Berufe für junge Studentinnen und Studenten an Attraktivität. Der moralische Niedergang wird dann enden, wenn die Menschen von dem egoistischen Lebensweg genug haben und wie Robespierre am Ende der französischen Revolution sagen werden, als die christliche Kultur in knapp vier Jahren vor aller Augen zerfiel: „Wenn es die christliche Moral nicht schon gäbe, wir müssten sie erfinden."

 

Dr. Peter Huemer

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